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    Beziehungen & Konflikte · 6 min · Stand

    Feedback, das ankommt: Jenseits der Sandwich-Methode

    Von Clemens Klarmann · Psychologe & Coach

    "Das haben Sie gut gemacht, aber... und insgesamt natürlich toll!" Die Sandwich-Methode: Kritik in Lob verpackt. Jeder kennt sie. Jeder durchschaut sie. Und trotzdem wird sie in Führungskräfte-Trainings immer noch gelehrt.

    Zeit für etwas, das tatsächlich funktioniert.

    Dieser Artikel vertieft ein Kernthema aus dem Leitartikel: Konflikte im Leadership-Team.

    Warum die Sandwich-Methode scheitert

    Drei Gründe:

    • Sie wird durchschaut: Nach dem ersten Lob warten alle nur noch auf das "Aber".
    • Sie verwässert die Botschaft: Was bleibt hängen – das Lob oder die Kritik? Meist weder noch.
    • Sie wirkt unehrlich: Das Lob fühlt sich an wie Pflichtübung, nicht wie echte Anerkennung.

    Das Ergebnis: Menschen fühlen sich manipuliert statt unterstützt.

    Was stattdessen funktioniert: Die Grundprinzipien

    Wirksames Feedback basiert auf vier Prinzipien:

    1. Konkret statt allgemein: Nicht "Sie sind unzuverlässig", sondern "In den letzten drei Meetings haben Sie die zugesagten Unterlagen nicht dabei gehabt."

    2. Zeitnah statt aufgestaut: Feedback nach drei Monaten ist nutzlos. Am besten innerhalb von Tagen, nicht Wochen.

    3. Verhalten statt Person: Kritisieren Sie, was jemand tut, nicht wer jemand ist. "Das Verhalten war nicht akzeptabel" statt "Sie sind unprofessionell".

    4. Wirkung statt Absicht: Sie wissen nicht, was der andere beabsichtigt hat. Sie wissen, welche Wirkung es hatte. Sprechen Sie über Wirkung.

    Das SBI-Modell in der Praxis

    Ein einfaches Format, das funktioniert: Situation – Behavior – Impact (SBI).

    • Situation: "Im Meeting gestern..."
    • Behavior (Verhalten): "...haben Sie mehrfach Kollegen unterbrochen..."
    • Impact (Wirkung): "...was dazu geführt hat, dass wichtige Punkte nicht gehört wurden."

    Beispiel komplett: "Im Meeting gestern haben Sie dreimal Kollegen mitten im Satz unterbrochen. Das hat dazu geführt, dass die Perspektive des Vertriebs nicht gehört wurde und wir ohne vollständiges Bild entschieden haben."

    Dann: Pause. Lassen Sie den anderen reagieren.

    Positives Feedback genauso konkret

    Das SBI-Modell funktioniert auch für positives Feedback – und macht es wirksamer als ein pauschales "Gut gemacht!".

    Statt: "Tolle Präsentation!"

    Besser: "In der Präsentation heute (Situation) haben Sie die technischen Details so erklärt, dass auch die Nicht-Techniker folgen konnten (Verhalten). Das hat dazu geführt, dass alle die Entscheidung mittragen konnten (Wirkung)."

    Konkretes Lob zeigt, dass Sie aufmerksam waren. Es verstärkt genau das Verhalten, das Sie wieder sehen wollen.

    Feedback als Dialog

    Feedback ist keine Einbahnstraße. Nach Ihrem Feedback: Fragen Sie nach der Perspektive des anderen.

    • "Wie sehen Sie das?"
    • "Was ist Ihre Wahrnehmung?"
    • "Gibt es etwas, das ich nicht sehe?"

    Manchmal gibt es gute Gründe für ein Verhalten, das Sie kritisieren. Manchmal sieht der andere es genauso und ist dankbar, dass Sie es ansprechen. In beiden Fällen gewinnen Sie durch Zuhören.

    Umgang mit Abwehr

    Nicht jedes Feedback wird dankbar aufgenommen. Typische Reaktionen und wie Sie damit umgehen:

    "Das stimmt nicht!" → "Ich beschreibe, was ich wahrgenommen habe. Wie haben Sie es erlebt?"

    "Aber die anderen machen das auch!" → "Möglich. Gerade geht es mir um dieses konkrete Verhalten."

    "Sie verstehen das nicht." → "Dann helfen Sie mir, es zu verstehen."

    Bleiben Sie ruhig, bleiben Sie bei Ihrer Beobachtung, bleiben Sie offen für die Perspektive des anderen.

    Wann Sie kein Feedback geben sollten

    Feedback ist nicht immer angebracht:

    • Wenn Sie selbst emotional aufgeladen sind – warten Sie, bis Sie ruhiger sind
    • Öffentlich bei kritischem Feedback – immer unter vier Augen
    • Wenn es nur ums Recht-haben geht, nicht um Verbesserung
    • Wenn Sie die Fakten nicht kennen – erst klären, dann sprechen

    Der tiefere Punkt

    Gutes Feedback ist ein Geschenk. Es zeigt, dass Sie die Entwicklung des anderen ernst nehmen. Dass Sie aufmerksam sind. Dass Sie sich die Mühe machen, ehrlich zu sein.

    Die besten Führungskräfte, die ich kenne, geben viel Feedback – und sie fragen auch danach. Denn Feedback ist keine Einbahnstraße. Wer nur gibt, aber nicht nimmt, verpasst die Chance, selbst zu wachsen.

    Lernen wir uns kennen.

    Sie erzählen, was Sie beschäftigt. Sie erleben, wie ich zuhöre und nachfrage. Danach entscheiden wir, ob und wie wir zusammenarbeiten möchten.

    Sie müssen vorher noch nicht alles sortiert haben.

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