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    Beziehungen & Konflikte · 7 min · Stand

    Konflikte im Leadership-Team: 5 Muster, die fast immer wirken

    Von Clemens Klarmann · Psychologe & Coach

    Konflikte in Führungsteams sind normal. Wo starke Persönlichkeiten aufeinandertreffen, verschiedene Perspektiven vertreten werden und wichtige Entscheidungen anstehen, gibt es Reibung. Das Problem ist nicht der Konflikt selbst – sondern wie wir damit umgehen.

    Hier sind fünf Muster, die ich immer wieder sehe – und was dagegen hilft.

    Muster 1: Der unausgesprochene Konflikt

    Zwei Führungskräfte sind sich uneinig – aber keiner spricht es aus. Stattdessen werden E-Mails nicht beantwortet, Meetings verschoben, Informationen "vergessen" weiterzugeben. Der Konflikt ist da, aber er wird nicht adressiert.

    Das passiert oft, wenn die Unternehmenskultur Harmonie über Klarheit stellt. Oder wenn frühere Konflikte schlecht ausgegangen sind und man das nicht wiederholen will.

    Was hilft: Jemand muss den ersten Schritt machen. Das muss nicht der CEO sein. Manchmal ist ein Einzelgespräch der richtige Rahmen, manchmal ein moderiertes Dreier-Gespräch. Der Schlüssel ist: ansprechen, was alle sehen, aber keiner benennt.

    Einstieg: "Ich nehme wahr, dass es zwischen uns gerade knirscht. Können wir darüber sprechen?"

    Muster 2: Der Stellvertreter-Konflikt

    Der eigentliche Konflikt wird an anderer Stelle ausgetragen. Zwei Abteilungsleiter streiten über Ressourcen – aber eigentlich geht es um Anerkennung. Ein Team kämpft gegen Prozessänderungen – aber eigentlich geht es um Angst vor Kontrollverlust.

    Stellvertreter-Konflikte sind besonders frustrierend, weil sie nie wirklich gelöst werden können. Selbst wenn der vordergründige Streit beigelegt wird, taucht das Thema woanders wieder auf.

    Was hilft: Den eigentlichen Konflikt identifizieren. Die Frage "Was würde sich ändern, wenn wir das lösen?" bringt oft das wahre Thema zum Vorschein. Erst wenn das benannt ist, lässt sich wirklich etwas lösen.

    Muster 3: Der chronische Konflikt

    Der gleiche Konflikt taucht immer wieder auf – in verschiedenen Formen, bei verschiedenen Themen. Er wird "gelöst", nur um drei Monate später in neuer Verkleidung zurückzukommen.

    Chronische Konflikte sind ein Zeichen dafür, dass an Symptomen gearbeitet wird, nicht an Ursachen.

    Was hilft: Muster erkennen und systemisch denken. Chronische Konflikte haben oft strukturelle Ursachen: unklare Verantwortlichkeiten, widersprüchliche Anreize, fehlende Kommunikationswege. Die Lösung liegt nicht im Gespräch, sondern im System.

    Fragen Sie: Was in unserer Struktur macht diesen Konflikt wahrscheinlich?

    Muster 4: Der Koalitions-Konflikt

    Das Leadership-Team spaltet sich in Lager. Es gibt die "Alten" und die "Neuen", die "Realisten" und die "Visionäre", die "Richtigen" und die "Anderen". Jede Diskussion wird zur Abstimmung über Gruppenzugehörigkeit.

    Koalitions-Konflikte sind gefährlich, weil sie das Team als Ganzes beschädigen. Die Energie fließt in politische Manöver statt in gemeinsame Ziele.

    Was hilft: Das gemeinsame Ziel neu verankern. Oft hilft es, gemeinsam an etwas Konkretem zu arbeiten – einem Projekt, einer Entscheidung – das Koalitionsgrenzen durchbricht. Und manchmal braucht es einen externen Moderator, der keine Geschichte mit dem Team hat.

    Muster 5: Der persönliche Konflikt

    Zwei Menschen können einfach nicht miteinander. Egal welches Thema – es wird schwierig. Die Chemie stimmt nicht, und alle wissen es.

    Persönliche Konflikte werden oft unterschätzt. "Die sind halt so" ist keine Lösung, wenn die Zusammenarbeit leidet.

    Was hilft: Akzeptanz ist der erste Schritt. Nicht jede Beziehung wird eine Freundschaft. Aber professionelle Zusammenarbeit ist trotzdem möglich. Klare Regeln, definierte Schnittstellen und – wenn nötig – weniger, aber bessere Interaktion können helfen.

    In manchen Fällen hilft ein moderiertes Gespräch, um zumindest die Arbeitsebene zu klären: "Wir müssen keine Freunde werden, aber wie können wir professionell zusammenarbeiten?"

    Der rote Faden

    Was alle diese Muster gemeinsam haben: Sie lösen sich nicht von selbst. Konflikte, die ignoriert werden, eskalieren. Konflikte, die falsch adressiert werden, verstärken sich.

    Es kann hilfreich sein, strukturelle Spannungen und persönliche Konflikte zunächst auseinanderzuhalten. Welche Erwartungen, Beziehungen oder Zuständigkeiten brauchen eine Klärung?

    Manchmal braucht es einen Außenstehenden, der die Dynamiken sehen kann, die von innen unsichtbar sind. Oft ist das der Unterschied zwischen einem Konflikt, der das Team stärkt, und einem, der es zerstört.

    Lernen wir uns kennen.

    Sie erzählen, was Sie beschäftigt. Sie erleben, wie ich zuhöre und nachfrage. Danach entscheiden wir, ob und wie wir zusammenarbeiten möchten.

    Sie müssen vorher noch nicht alles sortiert haben.

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